Klebt einen Gelben Stern drauf!

 

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Foto: Viktor Hardarson via Twitter

Der Europäische Gerichtshof EuGH hat entschieden: Israelische Produkte aus der Westbank (Judäa und Samaria) müssen gesondert markiert werden, um dem Verbraucher eine Entscheidungsmöglichkeit zu geben. Mit anderen Worten: Damit er gezielt „Siedlerprodukte“ boykottieren kann. Es geht bei der Markierung nämlich nicht um alle Produkte aus dem Gebiet, sondern nur um die, die von Juden oder jüdischen Unternehmen produziert werden. Und das steht sogar ausdrücklich in der Urteilsbegründung drin.

Ich weiß ja nicht wie andere das sehen, aber ich finde das bedenklich. So bedenklich, dass ich einen überspitzten Tweet auf Twitter dazu abgesetzt habe.

Wie hältst Du es mit den Siedlungen?

Ich habe viel Zustimmung dafür bekommen. Aber nicht nur. Ich wurde unter anderem gefragt: Bist Du für Siedlungen? Das ist die Gretchenfrage der Israelkritiker, die ihre Kritik für durchweg legitim und nicht antisemitisch halten.

Am 9. November, wenn Deutschland sich der Kristallnacht schämt und des Mauerfalls freut, kreucht so manche Deutschtümelei an die Oberfläche. Nicht nur dort, in ganz Europa freuen sich Nazis an diesen Tag. Manche sogar ganz besonders „kreativ“. Das Bild oben stammt aus Schweden von genau diesem Tag. Ein Naziarschloch hat jüdische Häuser mit Judensternen markiert. Daran musste ich denken, als ich vom EuGH-Urteil hörte: Es werden 2019 wieder gelbe Judensterne aufgeklebt.

Doch wie halte ich es mit den Siedlungen? Bin ich dafür? Bin ich dagegen? Das will ich nicht mit einem Ja oder Nein beantworten.

Siedlungen und Frieden

Es gibt in Israel einen Witz, der schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, aber leider immer wieder aktuell wird, so wie jetzt gerade zur Eskalation in Gaza. Der Witz geht so:

Ein Exil-Israeli ruft bei Freunden in Israel an und fragt:
– Was gibt’s Neues? Wie ist die Lage im Norden?
– Ach, schrecklich! Die Hisbollah rüstet unter den Augen der UN auf und wir warten nur, dass es wieder explodiert.
– Und wie in Gaza?
– Grauenvoll. Der Islamische Jihad schießt Raketen aus allen Rohren und dass noch keiner tot ist, grenzt an ein Wunder!
– Hmm, und in der Westbank?
– Och, da ist alles ruhig, da haben wir uns ja noch nicht unilateral zurückgezogen!

Und das ist leider die bittere Wahrheit. Die Siedlungen garantieren uns den Frieden, zumindest den kalten Frieden.

Judenrein? Juden raus!

Die nächste Wahrheit ist, dass es nicht sein kann, dass es einen weiteren Ort auf der Welt geben soll, an dem es ausgerechnet und nur Juden verboten sein soll, zu leben. Davon gibt es schon genug auf der Welt. Wer behauptet, die Siedlungen seien ein unüberwindbares Friedenshindernis, denn sie machen die Zwei-Staaten-Lösung, die die einzige Lösung sei, unmöglich, der behauptet, dass die Palästinenser nur einen „judenreinen“ Staat haben wollen und können. Wer das will, mit dem habe ich keine Basis für Friedensgespräche. Tut mir leid. Es gibt keinen Grund, warum diese Dörfer nicht auch Jüdisch-Palästinensisch werden können, so wie es arabische Dörfer mit arabischen Israelis in Israel gibt.

Hebron

Ein besonderes Augenmerk verdient in dem Zusammenhang Hebron. Das ist eine „Siedlung“, in der sich das Grab der Jüdischen Patriarchen befindet und die seit Jahrtausenden von Juden bewohnt wird mit nur einer einzigen Unterbrechung: Die etwa 20 Jahre, die Jordanien das Gebiet besetzt hielt und alle Juden aus Hebron ermordet oder vertrieben hat. Die zurückgekehrten Nachkommen der Überlebenden gelten heute als Siedler und die zugezogenen Araber, die die Häuser der Juden gestohlen haben, als Einheimische.

Wirtschaft und Arbeit für Palästinenser

In den von der PA kontrollierten Gebieten ist die PA auch der größte Arbeitgeber. Das erklärt auch einen Teil ihrer Macht. Die Siedlungen aber sind knapp dahinter, sie beherbergen Industrie und Landwirtschaft, die viel Arbeit für Palästinenser bietet. Sodastream war ein Beispiel dafür. Doch die BDS-Bewegung hat erreicht, dass die Fabrik aus den Siedlungen ins israelische Kernland umgezogen ist. Gelitten haben darunter hauptsächlich die Palästinenser. Ein Boykott der Siedlungsprodukte trifft also auch die, mit denen man sich solidarisch wähnt. Und was ist friedensstiftender, als gemeinsam zu arbeiten und zu leben?

So halte ich es mit den Siedlungen!

Wenn man meine Zeilen bis hier hin liest, dann stellt sich die Frage: Warum sage ich nicht einfach laut und deutlich, dass ich ein Freund der Siedlungen bin? Nun, das bin ich eben nicht.

Ich kenne die Siedlungen von innen

Ich war, im Gegensatz zu wohl fast allen, die mir die Gretchenfrage stellen, mehrfach in verschiedenen Siedlungen. Nicht alle sind gleich. Manche davon würde ich sofort räumen, andere sofort an das Israelische Staatsgebiet angliedern.

Schwerbewaffnet am Schabbat

In einer Siedlung habe ich mal einen ganzen Schabbat bei einer Familie verbracht. Der Vater der Familie war Leiter der Sicherheitsabteilung dort. Mitten in der Siedlung steht eine große, schöne Synagoge aber er geht jeden Schabbat zum Morgengebet mit ein paar Freunden in eine kleine, heruntergekommene Synagoge mit Einschusslöchern in der Fassade abseits des Orts direkt neben dem Grenzzaun zur Straße. Auf der anderen Seite dieser Straße ist ein arabisches Dorf. Er und seine Freunde gehen dort hin, um den Arabern gegenüber zu zeigen, dass der Anspruch auf diesen Teil der Siedlung alle sieben Tage der Woche gilt. Ich wurde eingeladen, mit zu gehen. Meine Neugierde war größer als meine Angst und wir marschierten schwer bewaffnet mit Sturmgewehren und einem gepanzerten Armeemobil in der Nähe zu der Synagoge. Ich mittendrin, unbewaffnet natürlich. Das Gebet fand auf Holzbänken mit angelehnten Gewehren statt. Es war surreal.

Ich bin nicht einverstanden mit vielen Siedlern

Diese Männer und ich haben politisch nichts gemein. Ich bin nicht einverstanden mit ihrem Auftreten und der Aggression, die ihre Entscheidung, dort zu wohnen in sich trägt. Ich bin kein Freund dieser Siedler.

Es gibt genügend moralisch vertretbare Gründe, warum man diese Menschen aus dem Dorf vertreiben wollen könnte, in dem sie leben. Dass sie Juden sind, ist aber keiner davon.

Nazilieder auf Klassenfahrt

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Buchenwald – License: CC 2.0

Gut 200 km Straße trennt die Stadt Grünwald von der Holocaust Gedenkstätte KZ Buchenwald. Am 15. Oktober dieses Jahres legten Neuntklässler diesen Weg zurück mit ihrer Schule auf einer Klassenfahrt in die Deutsche Vergangenheit.

Kinder in Deutschland kennen Krieg und Vernichtung nur aus den Nachrichten ferner Länder, dem Geschichtsunterricht und aus Videospielen. Sie sind glücklicherweise in einem scheinbar ewig währenden Frieden aufgewachsen und all das Leid ist weit weit weg. Auf jeden Fall weiter als 200 km.

Ich war in einem ähnlichen Alter, als meine Schule alle Schüler in Bussen in ein Kino verfrachtet hat um uns den Film „Schindlers Liste“ zu zeigen. Damals war es nicht anders als heute und es war schrecklich. Die Kids hatten keinen Respekt und alberten um mich herum, während ich mit meinen Gefühlen kämpfte, da der Film auch einen Teil meiner Familiengeschichte widerspiegelt.

Traurig und erwartbar

Deswegen schockierte es mich nicht, über den Vorfall aus Buchenwald zu lesen. Drei der 14 jährigen Kinder haben auf dem Rückweg im Bus antisemitische Lieder abgespielt, offenbar auf ihren Smartphones, und die Texte laut mitgesungen. Man kann sich natürlich fragen: Warum kannten sie diese Lieder und Liedtexte überhaupt? War das den Lehrern vorher bewusst?

Gesungen haben sie die Lieder aber in genau diesem Moment, um diese Distanz, in der sie aufgewachsen sind und die das Leben so wohlig einfach macht, wieder herzustellen. Buchenwald musste direkt auf der Heimfahrt im Bus wieder entzaubert werden, die direkte Konfrontation mit dem Leid vor der eigenen Haustür wieder in die Ferne geschoben werden.

Keine Zwangsbesuche in Gedenkstätten!

Ich halte es für einen Fehler, Kinder zwangsweise so zu konfrontieren. Ich weiß, dass ich mit dieser Meinung relativ alleine bin. Die Erinnerung muss doch aufrecht erhalten werden!?

Ja, das muss sie. Aber diese drei Kids waren offenbar vorher schon mit Antisemitismus vergiftet und der Besuch in Buchenwald hat daran nichts geändert. Das ist so traurig wie erwartbar. Man kann eben nicht davon ausgehen, dass man alle erreichen kann mit der Erinnerung an den Holocaust. Es wird immer Menschen geben, die menschenverachtende Ansichten haben, aus Dummheit, aus Feigheit, aus Minderwertigkeitskomplexen, aus welchem Grund auch immer.

Es muss freiwillig sein, damit es funktioniert

Die Gedenkstätten sind dafür da, diejenigen zu erreichen, die auch erreicht werden können und wollen. Es muss für die Schüler freiwillig sein, dort hin zu gehen. Und wenn sie zurück kommen und dank des Besuchs wahrlich überzeugt davon sind, dass die Vergangenheit Deutschlands eine Verantwortung für die Menschen heute ist, dann sind sie der Impfstoff in der Gesellschaft, der widerspricht, wenn ein Antisemit Parolen grölt.

Die Gesellschaft gegen Nazis impfen

Dass es immer Nazis und Antisemiten gegeben hat und geben wird, muss man leider als gegeben akzeptieren. Aber die Nazis waren damals, und sind es heute wieder, nur deshalb so erfolgreich, weil es keinen ausreichenden Widerspruch gab und gibt in ihrem direkten Umfeld. Die Strategie muss sein, diesen Widerspruch zu stärken, die Menschen, die widersprechen zu stärken durch Erinnerung und vorgelebter Solidarität mit Juden heute. Und mit allen anderen Menschen, die Opfer gruppenbezogenem Menschenhasses sind.

Tel Aviv meets Hamburg

Rechts: Olga Yevteyev, Links: Jenny Havemann

Fischbrötchen, Finkenwerder Scholle, Franzbrötchen… what‘s it all about?..

It‘s going to be a very delicious Event well dressed with a hot meetings and discussions led by the experts in the field from Hamburg!

Yes!!! This time we were honored to be Co-organizer for Hamburg on Tour 2019 „Tel Aviv meets Hamburg“. The Event program will be filled with very interesting panels, workshops and will give you a perfect opportunity to meet key people from Hamburg businesses and learn about innovative projects which are currently run in Hamburg!

Stay tuned for further updates!

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Selbstständig und Mutter. Geht das?

Gastbeitrag von Katharina Tolle
Frage:
„Was machst du eigentlich beruflich?“
Antwort:
„Ich schreibe Geburtsgeschichten.“
Reaktionen:
„Aha. [Pause] Was genau machst du?“
„Oh nein. Noch ein Mama-Blog.“
„Verdient dein Mann so gut, dass du zu Hause bleiben kannst?“
„Wer kümmert sich bei euch eigentlich um die Kinder?“
„Das ist aber schon eher Hobby, oder?“
Doch von vorne. Jenny und ich lernten uns 2013 auf der Konferenz IsraMUN kennen. Seitdem verfolgen wir unsere Entwicklungen gegenseitig auf Facebook. Jenny ist eine großartige Ansprechperson, wenn es darum geht, von Unternehmerin zu Unternehmerin Tacheles zu reden. Wir haben nämlich etwas gemeinsam, das häufig immer noch nicht normal scheint: Wir wuppen unsere Selbstständigkeit und unsere Rollen als Mutter dreier Kinder. Deshalb freut es mich, dass ich auf den Dreizehn Blumen über ein Thema schreiben darf, dass Jenny und mich verbindet: Wie genau machen wir das eigentlich mit unserer Selbstständigkeit?
Familie und Selbstständigkeit schließen sich nicht grundsätzlich aus. In manchen Aspekten ist eine Selbstständigkeit sogar einfacher, als ein Angestellten-Job. Dennoch ist es nach wie vor nicht die Regel, sich als Mutter dreier kleiner Kinder selbstständig zu machen. Die Sicherheit eines geregelten Einkommens ist für viele der einzige Entscheidungsfaktor. Selbstständigkeit ist nun mal mit unternehmerischem Risiko behaftet.
Ich habe lange überlegt, wie genau ich das Thema aufreiße. Letztendlich entschied ich mich zu einer Aufzählung der Vorurteile, Risiken und Fragen, die mir seit meinem Sprung in die Selbstständigkeit am häufigsten begegnet sind. Ich wünsche mir, dass meine Reaktion auf diese Themen anderen Müttern den Mut gibt, über ihren Schatten zu springen und den Schritt hin zu mehr Eigenverantwortung zu gehen. Ich wünsche mir, dass diejenigen, denen diese Fragen immer wieder gestellt werden, schneller eine Antwort finden, so dass sie ihre Hirnleistung auf Wertvolleres ausrichten können. Und ich wünsche mir, dass diejenigen, die diese Fragen bisher stellten, verstehen, warum Frauen sich für die Selbstständigkeit entscheiden. Und trotzdem gute Mütter sind.
Mutter und Job
Ja, ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben. (Oh, gute Idee. Hey, ist jemand von euch in einem Verlag beschäftigt!?) Die Kurzfassung hier: Muttersein ist ein Vollzeitjob. Oh, und übrigens: Vatersein ist auch ein Vollzeitjob! Wir alle, die wir Kinder haben, richten unser restliches Leben nach diesen Kindern aus. Trotzdem kommt kaum jemand auf die Idee, dass ein Mann jetzt bitteschön seinen Job an den Nagel hängen sollte, weil er Kinder hat. Sollten Mütter ihren Job an den Nagel hängen? Nein. Sollten sie Unterstützung erfahren? Ja. Muttersein ist ein Vollzeitjob, und Muttersein ist ein Job, von dem man auch mal eine Auszeit braucht. Früher war es selbstverständlich, dass Familien, und besonders auch Frauen, sich mit ihren Kindern untereinander halfen. Ich backe das Brot, du passt auf. Jetzt schlachten wir gemeinsam ein Huhn. Wer gerade weniger Blut an den Fingern hat, hält das Kleinkind davon ab, in den Teich zu springen. Ja, diese Darstellung romantisiert. Und sie bringt es auf den Punkt: Über den Großteil unserer Menschheitsgeschichte wurden die Kinder zur Arbeit mitgenommen. Entweder von den Müttern, oder den Vätern, oder anderen Menschen. Für die Kinder war es eine Kombination aus Spielen, Lernen und Mithelfen. Die Erwachsenen teilten sich die Aufsicht. Erst in den letzten Generationen wurde die Trennung zwischen Arbeit einerseits und Kinderbetreuung andererseits immer schärfer. Das hat natürlich mit unserer Arbeitsteilung zu tun, und es hat auch mit veränderten Berufsbildern und dem Konzept der Kindheit zu tun. Aus einem logischen Grund (Mütter können stillen) fiel die Kinderbetreuung fast immer in die Hände der Mutter. Daraus kristallisierte sich dann auch, dass, wenn überhaupt, die Mutter ihre Arbeit aufgeben solle. Der Vater sollte weiter arbeiten gehen.
Ich bin mit Leib und Seele Mutter. Und ich bin auch noch so viel mehr. Dieses Mehr will ich auch weiterhin sein. Deshalb baue ich mir meine „Dorfgemeinschaft“, meine Familienunterstützung, wieder auf. Die Großeltern sind wunderbare Menschen, die in unserem Fall leider für die täglichen Bedürfnisse zu weit weg wohnen. Die örtliche Kindertagesstätte gefällt mir nicht in allen Punkten. Trotzdem gehen meine Kinder dort hin. Das hat nicht nur mit Logistik zu tun, sondern auch mit dem Wissen, dass es überall Aspekte geben wird, die mir nicht gefallen. Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass auch ich meinen Kindern nicht in allen Aspekten gefalle. Zusätzlich haben wir immer mal wieder eine Babysitterin. Sie kommt zwischendurch, obwohl ich zu Hause bin oder obwohl mein Mann zu Hause ist. Manchmal ist es einfach schön, eine helfende Hand zu haben. Und manchmal kommt sie, weil mein Mann und ich zusammen etwas unternehmen. Es ist selten — viel zu selten. Selten ist immer noch so viel besser als gar nicht! Sind wir privilegiert, weil wir genug Geld für die Kinderbetreuung haben? Ja. Ich würde mir wünschen, dass der Staat mehr dazu gibt, so dass es kein Privileg mehr ist! Bin ich eine Rabenmutter, die ihre Kinder abgibt? Nein. Wenn ich bei den Kids bin, bin ich nicht nur physisch da, sondern auch mental. Das könnte ich nicht, wenn ich nur noch die Kids hätte. Gibt es andere Frauen, bei denen es anders ist? Ja, die gibt es — und ja, das ist auch vollkommen okay so! Nicht jede Frau muss sein wie ich. Ich muss nicht sein wie jede Frau.
Fazit: Mütter waren über die größte Zeit unserer Menschheitsgeschichte berufstätig. Heutzutage kaufen wir uns das, was früher selbstverständlich zusammen getan wurde, wieder ein. Es ist manchmal mühselig, aber es geht. Mutter und Berufstätigkeit schließt sich nicht grundsätzlich aus. Muttersein mit bestimmten Arbeitszeitmodellen schon eher. Und damit sind wir beim nächsten Punkt:
Selbstständigkeit = Selbst * Ständig
„Als Selbstständige hast du doch nie Feierabend! Wie machst du das mit der Familie?“
Es erfordert eine gehörige Portion Selbstdisziplin, den Rechner auszumachen und pünktlich an der Kita zu sein. Gerne würde ich die Rechnung noch schnell schreiben… Und eigentlich müsste ich ja auch mal wieder neue Visitenkarten bestellen… Und ach, der Blogpost wartet ja noch auf die Überarbeitung. Ja, als Selbstständige hat meine eine nie endende Aufgabenliste. Ehrlich gesagt haben vermutlich fast alle Erwachsenen so eine Liste, egal, ob selbstständig oder nicht. Nur hängt bei Selbstständigen das Einkommen unmittelbarer davon ab, so dass der Druck entsprechend höher ist. Ich erzähle wohl kein Geheimnis, wenn ich verrate, dass ich unter der Dusche Blogposts im Kopf durchgehe, dass ich selbst auf dem Klo einen Notizblock für Ideen habe, dass ich auf dem Weg zum Zug überlege, wen ich anrufe wegen des nächsten Interviews. Ein kleiner Teil von mir ist tatsächlich ständig bei der Arbeit. Doch mal ehrlich: Wenn euch eure Arbeit wichtig ist, kennt ihr dieses Gefühl — auch, wenn ihr nicht selbstständig seid. Ein fester Zeitplan und die Fokussierung auf das wirklich Wichtige ist deshalb unumgänglich. Dabei hilft natürlich, das langfristige Ziel vor Augen zu haben und außerdem die Aufgaben nach dem Eisenhower-Prinzip abzuarbeiten. Ja, Selbstständigkeit hat auch mit Selbstmanagement zu tun. Das Schöne ist: Ich kann entscheiden, wann ich arbeite und wann nicht. „Mama, nächsten Donnerstag ist Vorlesetag. Kommst du?“ Vormittags mal eben in der Kita die Geschichte von Dingi dem Hafendetektiv vorlesen? Kein Problem. Dann arbeite ich dafür Samstagvormittag. Und in dieser Zeit habe ich auch den Notizblock dann nicht in der Hand. Höchstens im Rucksack. Selbstständigkeit bietet die Chance, die Arbeit dem Rest des Lebens anzupassen, nicht umgekehrt. Natürlich habe ich Kernarbeitszeiten und natürlich erwarten meine Kundinnen von mir, dass ich einen angenommenen Auftrag möglichst zügig auch abarbeite. Und das tue ich. Ob morgens um 4, bevor der Mittlere mich weckt, oder abends um 11, wenn das Baby mit verschnupfter Nase lieber im Kinderwagen draußen schläft und ich daneben sitze und meinen Monatsabschluss mache, interessiert keine Sau.
Damit kann man Geld verdienen?
Mit allem Sch*** verdienen Leute Geld. Dennoch hören selbstständige Frauen oft, dass ihr Thema ja wohl eher ein Hobby sei. Das Stichwort „Selbstverwirklichung“ spricht uns frei von jeglicher finanzieller Absicht. Und außerdem wäre es doch schade, wenn manche Leute nicht in den Genuss meiner Leistung kämen, nur, weil ich so teuer bin. Was für eine umgekehrte Welt! Ja, was ich tue, ist mir wichtig. Und ich kann das so nur tun, weil ich auch mein Geld damit verdiene! Es ist immer wieder erstaunlich, dass Menschen der Meinung sind, dass ich entweder Geld damit verdienen darf, oder es mir Spaß machen kann. Beides zusammen scheint unmöglich. Ich sehe das anders. Wir können Geld verdienen. Und es darf uns trotzdem gut tun, was wir tun.
Wie viel verdienst du damit so?
Das Gehalt von Selbstständigen ist nicht zu leicht zu berechnen. Wir haben Ausgaben, wir zahlen unsere Steuern auf das, was am Monatsende übrig bleibt. Wir kümmern uns um Sozialleistungen, für die bei Angestellten der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin aufkommt. In einer ehrlichen Diskussion halte ich nicht damit hinter den Berg, wie viel ich verdiene. Ich halte auch nicht hinter den Berg, welche Ausgaben ich habe und was davon auf die Firma läuft und was privat ist. (Nein, ich kann nicht alles als Kosten deklarieren, was meine Familie so an Ausgaben hat…) Selbstständigkeit kann sich lohnen. Es ist schön, wenn das so ist. In den Monaten, in denen das nicht so ist, kann ich immerhin sagen, dass ich meine Zeit mit etwas verbracht habe, was ich gerne tue und was den Frauen, für die ich arbeite, einen echten Mehrwert bringt.
Du bereitest doch bloß deine Scheidung vor
Mit wurde tatsächlich vorgeworfen, ich wollte mich ja bloß finanziell unabhängig machen, damit ich meine Scheidung durchsetzen könne, ohne danach mittellos dazustehen. Hallo, geht es noch!? Abgesehen davon, dass ich es total wichtig finde, finanziell unabhängig zu sein, um sich freiwillig — Achtung, Spoiler! — aus Liebe an jemanden zu binden, ist der Vorwurf, meine Selbstständigkeit sei die Vorbereitung meiner Scheidung, absoluter Humbuk. Ja, meine Firma ist meine Firma und mein Mann hat auf mein Firmenkonto keinen Zugriff. Trotzdem ist mein Herzensbusiness nur möglich, weil mein Mann mitzieht. Er unterstützt mich, wir beraten gewisse Themen auch zusammen („Wie viele Aufträge nehme ich in diesem Zeitraum an, wenn du da deine Jahrestagung hast und die Kitaschließzeit ansteht?“). Nein, ich bereite nicht meine Scheidung vor. Ich trage dazu bei, dass wir unsere gemeinsamen Träume leben können.
Du stellt deine Firma über die Familie
Ja. Nein. Ich stelle die Familie über die Firma und die Firma über die Familie. Jetzt, da ich diesen Beitrag schreibe, bin ich nicht für die Familie da. Dadurch, dass ich diesen Beitrag schreibe, kann ich später wieder bei meiner Familie sein. Ich stelle meine Selbstständigkeit nicht mehr über meine Familie, als jede andere Person das tut, wenn sie einen Job annimmt.
Das ist doch nur eine Phase
Kann sein. Und wenn? Dann mache ich in dieser Phase genau das, was ich machen will. Und wenn dann die nächste Phase kommt, dann mache ich das.
Das hat ja gar nichts mit deinem Studium zu tun
Nein, ich brauche keinen Abschluss in Politikwissenschaften mit Abschlussarbeit zu Somalia, um Geburtsgeschichten zu schreiben. Nein, ich brauche keinen Abschluss in Volkswirtschaft mit Abschlussarbeit zu Ruanda und Burundi, um Schwangerschaftstagebücher zu schreiben. Mein Lebensweg ist nicht geradlinig. Trotzdem waren meine Studienjahre keine „verschwendete Zeit“. Alles im Leben hat mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Viele Dinge aus der Studienzeit helfen mir jetzt. Vieles ist mir wichtig und hat Einfluss darauf, wie ich die Welt heute sehe. Ich weiß nicht, ob ich ohne das Studium diesen Weg gewählt hätte. Ich weiß, dass dieser Weg jetzt das ist, was ich will.
Kannst du auch noch über was anderes reden als Geburtsgeschichten?
Ja, kann ich. Und ja, tue ich auch. Es gab schon den Fall, dass Menschen mir nach einem Kennenlernen „vorgeworfen“ haben, dass ich ja gar nicht von meinem Business erzählt hätte. Ich erzähle davon, wenn es passt. Wenn es nicht passt, erzähle ich nicht davon. Wir unterhalten uns zum Thema Sommerurlaub? Da berichte ich vermutlich lieber vom Negev als von meinem Finanzkonzept. Ja, wir Frauen sind oft mit Leib und Seele selbstständig, wenn wir uns dafür entschieden haben. Wir sehen unser Business als Teil von uns. Wir freuen uns, wenn es wächst, und wir nehmen uns Kritik sehr zu Herzen. Deshalb schwanken wir zwischen zwei Extremen: „Ich liebe meinen Beruf und erzähle sofort allen alles darüber!“ und „Wenn ich das erzähle, finden die das bestimmt voll doof. Deshalb bleibe ich lieber ganz still und hoffe, dass mich niemand bemerkt.“ Keine Panik — wir finden auch ein Thema jenseits von Geburten, um zu quatschen. Wie wäre es mit Tanzen!?
Danke, dass ich das Schreiben darf, denn…
Der Sprung in die Selbstständigkeit ist für viele Frauen ein Sprung in die Unsicherheit. Es werden uns oft Steine in den Weg gelegt — manchmal absichtlich, manchmal unabsichtlich. Deshalb ist es so wichtig, dass wir wissen: Wir sind nicht allein.
Du, als Selbstständige, als Mutter, als Frau, als Weltverbessererin, du mit deinen unfertigen Projekten, mit deiner nicht makellosen Bude, mit all den Kleinigkeiten und großen Sorgen, mit den geheimen Tänzen durch’s Zimmer, wenn du einen Auftrag bekommst: Du bist nicht allein. Jenny, du, ich — wir sind die Generation Unternehmerinnen, die sich nur selbst aufhalten kann. Und du, die du den Sprung wagen möchtest: Du brauchst nicht perfekt sein, um Mehrwert zu bieten. Starte.
Und du, der du das liest und denkst: Die ist vollkommen durchgeknallt: Jop, kann schon sein 🙂 Danke, dass ich so durchgeknallt sein darf. Und jetzt: Shalom, sii juu. Mein Monatsabschluss wartet auf mich.
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Über Katharina:
Katharina wohnt in der Nähe von Berlin. Sie schreibt Geburtsgeschichten, Sternenkindbriefe und Schwangerschaftstagebücher. Ihren Blog findest du über www.ichgebaere.com und zu ihrem Newsletter kannst du dich hier anmelden: https://ichgebaere.com/geburtsgeschichtennewsletter/

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Katharina Tolle

Autorin von individuellen Geburtsgeschichten
Bloggerin
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From Pastry into Tech

How dare you are to go out of your comfort zone? What does it take to leave the CEO position in a very good and prosperous company, because you feel that you are missing something very important in this digital world?

Nati Bar, the former CEO of Israeli prominent bakery&cafe chain „Roladin“ gave an inspirational talk about her story and her way to a new dream, and the current trends of new digital era. She highlighted that some of the jobs which were considered as stable, have now been changed by completely different jobs, such as AI and Machine Learning specialists, new technology specialists, innovation professionals to name a few. Nati transformed the 5P Porter’s concept to a new 5E concept, where Product is replaced by Experience, the right Place is replaced by Everyplace, and Price is substituted by Exchange.

The conversation brought a lot of questions and our delegation was left with a special mission – to translate 2 accompishments from old to new old. And what about you?) Just dare and do it!

Start-Up Nation Central

What are the key ingredients of Israel as a startup nation? Ben Yaron, Business Development Manager at Start-up Nation Central told us:

✅ Immigration=Enterprneurship

✅ Israel Defense Forces

✅ Government prioritization

A lot of large corporations come to Israel for talents and deep technologies. ❗️Every 8 hours a new start-up is etablished!

‼️ Israel has more companies listed on NASDAQ than any country besides the USA and China!

These facts are very impressive and they really impressed our Swiss delegation of business people from different fields and backgrounds, who came for a week to Israel to learn about the country, companies and High-Tech innovations.

#hwzinisrael

#swissdelegation

#israelinnovation

15,3 Billion Dollars for a chip

 

„Gam zu l‘tova“ quoted Mois Navon, an engineer and Rabbi who invented the Mobileye chip, while telling his amazing story full of rises and falls on the way to the company which was recently bought for billions of dollars by Intel. But not only that! He disclosed the secret of the Israeli innovation success.

In his presentation Mois showed how a „car-toy company“ transformed into a company which saves lives of people on the road and is now developing the first system on the market for autonomous vehicles.

Thank you very much for such an inspirational talk!

#hwzinisrael #swissdelegation #israelinnovation