Homoehe

11351168_880961261965664_58994904588655981_nDie „Homoehe“ wird gerade heiss diskutiert. Und auch ich wurde schon gefragt, was ich davon halte.
Ich versuche einfach mal, systematisch daran zu gehen und da ich religiös bin, bedeutet das, dass ich nachsehe, was die Torah dazu sagt.

Was spricht gegen die Homo-Ehe? Am deutlichsten noch das Dritte Buch Mose (Leviticus), Kapitel 20, Vers 13. Dort steht:

„וְאִישׁ, אֲשֶׁר יִשְׁכַּב אֶת-זָכָר מִשְׁכְּבֵי אִשָּׁה–תּוֹעֵבָה עָשׂוּ, שְׁנֵיהֶם; מוֹת יוּמָתוּ, דְּמֵיהֶם בָּם.“ Übersetzt heisst das: „Und wenn ein Mann bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, haben beide einen Gräuel getan, sie sollen sicher sterben, ihr Blut soll auf ihnen sein.“

Puh, sieht bisher nicht gut aus für die Homo-Ehe, sogar sterben soll ein schwuler Mann. Wenn man nun noch den Kitzur Schulchan Aruch, also die üblichste Gesetzessammlung nach den Gesetzen zur Ehe durchsucht, dann kommt eine gleichgeschlechtliche Ehe nicht mal in einem Nebensatz vor. Es wird geregelt, wen ein Kohen, eine Witwe, eine Konvertitin oder ein Mamser (dazu andermal) heiraten darf. Aber ein Mann einen Mann oder eine Frau eine Frau wird nicht mal erwähnt.

Es sieht also wirklich duster aus für die Homo-Ehe im Judentum. Aber bevor wir resigniert die Bücher zuschlagen, schauen wir doch lieber mal, was auf der Haben-Seite zur Homosexualität gilt:

– Der oben genannte Vers aus dem 3. Buch Moses lässt sich verschieden übersetzen. Die meisten Übersetzungen, vor allem die christlichen, lauten, die beiden Männer sollen getötet werden. Aber das ist eigentlich verkehrt. Wenn man Exodus 31:15 im Vergleich sieht, in dem eindeutig die Todesstrafe für das Brechen des Schabbat geschrieben steht, dann steht dort im hebräischen original „מוֹת יוּמָת“ und nicht „מוֹת יוּמָתוּ“. Ein Vav mehr macht den Unterschied. Die Torah verlangt also nicht, dass homosexuelle Männer getötet werden, sie prophezeit ihnen nur den Tod. Sterben meint im biblischen Sinn nicht nur den sofortigen Tod, sondern auch den Tod aller Nachkommen bis zur siebten Generation. Das war etwa die Strafe für Kain dafür, dass er seinen Bruder Abel erschlagen hat. Wir sind laut der Torah alle Nachkommen von Seth, dem jüngeren Bruder von Abel und Kain.
Dass ein schwules männliches Paar ohne Hilfe einer Frau keine Kinder bekommt, ist einleuchtend. Und sterben müssen sie auch, wie jeder Mensch. Prophezeiung erfüllt.
– Angenommen, meine Übersetzung ist falsch und es ist eine Aufforderung zum Töten, dann haben die Sanhedrin schon vor Jahrtausenden die durch Menschen verfügte und verübte Todesstrafe abgeschafft. Nur G-tt selbst kann richten und er hat bis in die siebte Generation Zeit, die Strafe zu vollziehen. Wir müssen ihm dabei nicht helfen.
– Die Torah verbietet in dem Vers nicht die Liebe zwischen Männern, sondern nur den sexuellen Akt. Männer dürfen Männer heiss und innig lieben, nur nicht mit ihnen schlafen.
– Frauen werden gar nicht sanktioniert. Sie dürfen andere Frauen lieben und mit ihnen schlafen. Orthodoxe Rabbiner werden das zwar nicht erlauben, aber mit der Torah können sie ein Verbot nicht begründen.
– Wenn heute ein Jude den Schabbat bricht, dann töten wir ihn nicht nur nicht wie in Exodus 31:15 verlangt, wir laden ihn zum nächsten Schabbat-Essen wieder ein, geben ihm sogar einen Aufruf zur Torah beim Schabbatmorgeng-ttesdienst und rechnen es ihm auch sonst nicht böse an. Dabei sagt die Torah unmissverständlich, dass er zu töten ist. Bei einem Mann, der mit einem Mann geschlafen hat ist die Torah in diesem Punkt mindestens missverständlich, wenn nicht sogar nachgiebig. Um wie viel nachgiebiger müssen wir also gegenüber einem schwulen Paar sein, wenn wir schon einen Schabbatbrecher ohne Wenn und Aber akzeptieren?

Aber heiraten? Das geht zumindest im orthodoxen Judentum nicht. Dazu fehlen einfach die entsprechenden Gesetze.
Was aber der Staat macht, der ja unabhängig von Kirche und Religion ist oder zumindest sein sollte, ist eine andere Geschichte. Und was ich dazu denke, schreibe ich morgen mal auf. Bli neder (also, wenn ich dazu komme).

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8 Gedanken zu “Homoehe

  1. Ich finde, dass auch Kirchen, resp. Religionen sich weiterentwickeln dürfen und sollten.
    Berücksichtigen muss man auch Übersetzungs- und Weiterleitungsfehler.

    Wir wissen heute, dass Homosexualität keine Krankheit ist, sondern angeboren ist. Der Sexualtrieb ist verhanden, das kann man auch nicht leugnen.
    Im Tierreich gibt es bei JEDER Art knapp 10% homosexuelle Tiere, so ist es eben und da kommt man nicht daran vorbei.

    Also die Homosexualität zu verteufeln wäre falsch und wider die Natur, die eben manchmal andere Wege geht.

    Einiges ist eben überholt und da können Religionen auch mal eine Weiterentwicklung durchmachen und einiges an ihrem Denken ändern.

    Eine jüdische Freundin sagte mir vor vielen Jahren mal, dass in der Torah sinngemäß steht Ä(an den genauen Wortlaut erinnere ich mich leider nicht mehr), dass ein Vater mit seiner Tochter im Alter von drei Jahren und einem Tag Geschlechtsverkehrt haben dürfe…..damit ist quasi der Kindesmißbrauch erlaubt…..das kann man nicht dulden, selbst wenn es so in der Torah steht.
    Das ist es, was ich meine, wir entwickeln uns weiter, bekommen neue Erkenntnisse und da kommen auch die Religionen aller Art nicht dran vorbei.

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  2. Ich habe die ganze Torah mehrfach gelesen und es gibt keine Stelle, an der Sex mit Dreijährigen, erst recht nicht durch den Vater (!!) erlaubt wäre. Wahrscheinlich meint Deine Freundin diese Stelle: Als Jaacov Rachel trifft, war sie etwa drei Jahre alt. Aber als er sie heiratete, war sie über 20, zumindest nach den meisten Meinungen.

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    1. Nein, diese Stelle war es nicht.
      Sie wurde von ihrem Vater sex. mißbraucht und suchte Hilfe bei ihrem Rabbi, der ihr diese STelle zitierte und sie um Schweigen bat. Ich erinnere mich nur an die Worte „mit drei Jahren und einem Tag“ und dass der Vater dann das Recht hätte, die Tochter „auf die Ehe vorzubereiten“.
      Wie gesagt, den genauen Wortlaut habe ich vergessen.

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        1. Ich habe ein wenig nachgeforscht. Das soll so im Talmud stehen, der allerdings eine Dokumentation einer Rabbinischen Auseinandersetzung und verschiedenster Meinungen ist und das Ergebnis dieser Diskussionen ist die Halacha (jüd. Gesetz). Und nach der Halacha ist es natürlich verboten.

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  3. Schoen, Eliyah, diese Uebersetzungsmoeglichkeiten, die du anfuehrst, kannte ich noch gar nicht, woher sind sie?

    Kennst du die Herangehensweise bzw.die Veroeffentlichungen zum Thema von Bet Hillel?

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  4. Also die Bibel kenn ich nicht so gut, Ivrith jedoch schon. מוֹת יוּמָתוּ erscheint mir ein eindeutiger Befehl. Sollte Deine Interpretation stimmen, müsste es doch einfach „ימותו“ bzw. „וימותו“ heißen. „דְּמֵיהֶם בָּם“ entspricht dem gebräuchlichen „דמם בראשם“, also es ist ihre Verantwortung, sie haben die Konsequenzen zu tragen.
    Ist der wahre Grund für das Nicht-Anwenden der Todesstrafe nicht vielmehr wie bei den vielen anderen drakonischen Maßnahmen, z.B. Steinigen, die nie angewendet wurden? Auch für die Übertretung des Shabbat-Gesetzes wurde noch nie jemand getötet, oder?

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    1. Warum die Todesstrafe generell nicht angewendet wird, unabhängig davon, wie die Torah-Stelle zu verstehen ist, steht ja im Text oben. Das hebräische Original lässt beide Übersetzungen zu, vor allem, wenn man vergleichend übersetzt unter Herannahme von Stellen, wo man eindeutigere Formulierungen vorfindet. Formulierungen vergleichen ist eine übliche Vorgehensweise bei der Torah-Interpretation.

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