Firmen-Jahresendfeiern in Tel Aviv

Gestern Abend waren Jenny und ich auf der Jahresendfeier meines Arbeitgebers am Hafen von Tel Aviv.

Jenny und Eliyah auf der Allot Feier Ich habe vorher nie bei einer israelischen Firma gearbeitet und kenne daher nur die Tradition der Weihnachtsfeiern in deutschen Unternehmen. Im Grunde genommen unterscheiden sich beide Feiern kaum. Ich selbst habe sogar mal eine Channukkah-Party für meinen damaligen Arbeitgeber in Hamburg organisiert. Es war eine tolle Party, so toll, dass ich sie in meinem Buch beschrieben habe.

Aber einen Unterschied habe ich gestern bemerkt: Es gab kaum Ledige und Kinderlose auf der Party. Fast jeder hatte einen Babysitter oder die Oma zuhause sitzen. Mein direkter Chef musste früher los, weil es ein „Babysitter-Issue“ gab, wie er sagt.

Daher ist die Party trotz alkoholischer Freigetränke und lauter Musik nicht ausgeartet. Keine Peinlichkeiten, die in die Analen der Firmengeschichte eingehen würden. Am meisten hat man sich zum Affen gemacht, wenn man in so einer zersägten Ente (2CV) auf dem Rücksitz Platz genommen hat und Fotos hat schiessen lassen. Das war es aber auch schon.

Als ich vor gut drei Monaten bei Allot angefangen habe und mir meine neuen Kollegen vorgestellt wurden, sagte man mir zu einem: „Der Rafi* (etwa 35 Jahre alt), der hat noch keine Frau und keine Kinder. Das macht mir Sorgen, kennst Du vielleicht eine Frau für ihn?“

In Israel gibt es ganze drei Monate Mutterschutz und ein Kindergeld, das eher ein Kindertaschengeld ist. In Bussen und Bahnen fahren Kinder nicht grundsätzlich umsonst und kostenlose Kinderbetreuung gibt es erst ab dem Alter von drei Jahren. Mit anderen Worten, es ist verdammt teuer, in diesem ohnehin teuren Land Kinder zu haben. Aber trotzdem haben wir die mit Abstand höchste Geburtenrate aller westlichen Länder.

Warum? Weil es normal ist, weil man nicht als potentiell asozial betrachtet wird, wenn man drei oder mehr Kinder hat, weil Kinder die Zukunft sind. Und weil Gesetze, finanzielle Anreize, Mutterschutz, kostenlose Krippenplätze und was sich der Deutsche Staat sonst noch so überlegt, um die Geburtenrate zu steigern, nichts helfen, wenn die Gesellschaft keine Kinder will.

*Name geändert

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Ein Gedanke zu “Firmen-Jahresendfeiern in Tel Aviv

  1. Ob eine Gesellschaft kinder-freundlich oder eltern-feindlich – oder umgekehrt – ist, hängt sehr an der subjektiven Wahrnehmung. Wenn jedoch in sozialen Bezugsgruppen vor-ge-lebt wird, dass Kinder „cool“ sind, dann finden sich mehr Nachahmer, und zwar unabhängig von der wirtschaftlichen Lage.

    714.927 Kinder wurden in Deutschland geboren. Dabei ist die Geburtenziffer jetzt zum dritten Mal in Folge wieder gestiegen. Die zusammengefasste Geburtenziffer des Jahres 2014 betrug in Deutschland 1,47 Kinder je Frau. Das ist nach Angaben der höchste bisher gemessene Wert seit 1990 und der Wiedervereinigung. Bei destatis.de nennt man es nicht Trendwende, denn nach 2020 schlägt der demographische Wandel zu und die Geburtenraten werden wieder sinken, weil es dann keine Frauen mehr gibt, die ihren Kinderwunsch noch weiter aufschieben könnten.

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