Unter Belagerung

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Der Tempel in Jerusalem als Modell (Israel Museum)

Heute ist nach dem jüdischen Kalender der Zehnte Tevet, der Tag der Beginn der Belagerung Jerusalems durch Nebuchadnezzar, die zur Zerstörung des ersten Tempels führte. Wir fasten und beten viel. Es ist ein nationaler Trauertag. Wer nicht weiss, zu welchem Datum seine Verwandten etwa im Holocaust tatsächlich ermordet wurden, kann heute das Trauergebet, das Kaddisch, für sie sagen, das üblichweise am Tag der Yahrzeit, also am Todestag nach dem jüdischen Kalender gesprochen wird.

Ich faste nicht gerne. Und heute fühle ich mich auch sonst nicht besonders fit. Daher hätte ich Grund genug, diesen doch nachrangingen Fastttag ausfallen zu lassen und mit den Kollegen Essen zu gehen, wie jeden Tag.

Aber Asara BeTevet, wie der Tag auf hebräisch heisst, ist doch ein besonderer Fasttag. Würde er auf einen Schabbat fallen, was er niemals tut, dann würden wir am Schabbat fasten. Das ist bei allen anderen Fasttagen bis auf Yom Kippur nicht so. Der Grund ist, dass wir damit nicht einem Unglück, das an diesem Tag passierte gedenken, sondern wir einem zukünftigen entgegenwirken wollen. Zwischen der Belagerung und der Zerstörung des Tempels lagen Jahre. Heute gilt daher der Tag als der Tag des Gerichts, an dem G-tt entscheidet, ob der Tempel dieses Jahr wieder erbaut werden wird.

Auch heute wird Jerusalem belagert. Von BDS-Idioten, von Messerstechern, von der Hisbollah im Norden, der Hamas im Süden und von Osten droht der IS. Und wir sitzen hier und warten nicht darauf, dass die Belagerung erfolgreich sein wird. Wir wehren uns.

Und wir fasten.

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6 Gedanken zu “Unter Belagerung

  1. Hat dies auf Die 13 Blumen rebloggt und kommentierte:

    Ein Jahr ist vergangen seit dem letzten 10. Tevet: Der Fasttag, der so nah an Channukkah liegt. Freude und Leid waren schon immer enge Verbündete. Die Nähe dieser beiden Tage im Kalender erinnert uns daran. Der eine feiert das Ende und der andere den Beginn der Belagerung Jerusalems, wenn auch durch verschiedene Belagerer. Aber von denen gibt es ja mehr als genug.

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      1. … trotzdem etwas schade, weil Herr Rusterholz etwas Nettes über the-heist geschrieben hatte, nicht?, es aber gelöscht haben wollte.
        Das Wort mit the-heist drin hatte ja aber doch Sinn – das andere, es enthaltende Wort erfuhr auf die Weise eine feine Nebenbedeutung.
        orakelnd ab

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