Herkunft und Pressekodex

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Köln und Hamburg am 1. Januar war ein Wendepunkt in Deutschlands Presselandschaft.

Der Pressekodex verbietet die Nennung der Herkunft, Religion oder Überzeugung von Tätern, wenn sie für die Erklärung der Tat unerheblich sind (Richtlinie 12.1). Das ist sehr richtig und wichtig. Ich will nicht, wenn etwa ein Jude in einen Betrugsskandal verwickelt ist, dass die Zeitungen ihn in diesem Zusammenhang als solchen bezeichnen. Das ist einleuchtend.

Die Grenze, ab wann es als Unerheblich galt, wurde vor allem für Nordafrikaner und Araber so weit verschoben, dass es schon fast unmöglich war, die Herkunft auch nur anzudeuten. Das hat sich seit dem 1. Januar geändert.

Auf ein Mal ist die Herkunft interessant. Aber warum? Wenn ein Nazi eine Straftat begeht, dann interessiert es mich nicht, ob er in Magdeburg oder in Wuppertal geboren ist. Wenn er in Berlin Marzahn wohnt, würde das zwar einiges nahelegen, aber selbst diese Information ist nur bedingt interessant. Mich interessiert aber seine Ideologie. Denn als Nazi begeht man andere Verbrechen als ein Bankräuber.

Die Religionsfreiheit ist ein hohes Gut. Jeder muss das Recht haben, an jeden Quatsch zu glauben, den er will. Ob Scientologen, Katholiken, Muslime, Juden oder Buddisten, jeder hat das Recht auf seine eigene Unvernünftigkeit und auch das Recht, alle anderen als die eigene Religion beknackt zu finden. Ich persönlich halte das Judentum für die einzig wahre Religion. Das sage ich ganz ohne Ironie. Ich weiss aber auch, dass ich mich darin grotesk irren kann und gestehe jedem daher seine eigene Irrung zu. Sogar den Katholiken.

Religion ist keine Rasse oder Staatsangehörigkeit. Sie ist eine Überzeugung. Viele „erben“ ihre Religion zwar von ihren Eltern, was sie auch zu einer Herkunft macht, aber im Gegensatz etwa zur Hautfarbe, kann man die Religion wechseln oder ablegen.

Religion ist eine Ideologie, die einen Gott hat. Es gibt Ideologien, die wir mit Recht verachten. Die Nazi-Ideologie ist so eine. Es gibt Ideologien, in deren Namen schlimme Verbrechen begangen wurden. Der Kommunismus ist so eine, genau wie der Katholizismus, insbesondere der Spanische. Und es gibt Ideologien, in deren Namen Frauen vergewaltigt werden.

Wenn in Deutschland, in Köln, in Hamburg und in vielen anderen Orten Frauen angegangen, geschlagen, verachtet, erniedrigt, vergewaltigt und sogar getötet werden, weil sie Frauen sind, dann will ich wissen, welche Ideologie dahinter steckt. Der Pressekodex verbietet das nicht, denn es besteht ein „begründbarer Sachbezug“. Nur so sind die Anhänger dieser Ideologie in der Pflicht, sich selbst zu hinterfragen, sich zu entwickeln. Genau wie der Katholizismus. Obwohl der auch noch Arbeit vor sich hat.

Dass jetzt die Herkunft dieser Verbrecher genannt wird, verstösst immer noch häufig gegen den Pressekodex. Die Ideologie zu verschleiern, ist und war aber ein Fehler.

Wer unter Online-Artikeln von großen Zeitungen, die die Herkunft der Täter thematisieren die Kommentare liest (die, die nicht wegmoderiert wurden), der merkt schnell, dass man vor allem als Jude nicht glücklich sein kann über diese Artikel. Da kommentieren doch tatsächlich Menschen, die offenbar der Bedienung eines Computers mächtig sind, also zumindest eine Grundbildung genossen haben, dass Nordafrikaner nur deshalb nach Deutschland kommen, weil wir Juden das eingefädelt haben, um die Deutsche Rasse zu vernichten. Manchmal wünscht man sich für solche Leute die Spanische Inquisition zurück. Und sei es nur, um über sie zu lachen.

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3 Gedanken zu “Herkunft und Pressekodex

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