Die letzten siebzehn Sekunden von Anja Reschke

Ein guter und wichtiger Beitrag von Gerd Buurmann, dem Tapferen im Nirgendwo. An einer Stelle möchte ich ihm jedoch widersprechen. Oder sagen wir besser: Etwas Wichtiges ergänzen. Er sagt:

Aus dem Holocaust gibt es nichts zu lernen! Es darf nichts daraus zu lernen geben! Was soll uns denn der Holocaust gelehrt haben? Dass man Menschen nicht millionenfach vergast? Dass Juden auch Menschen sind? Dass man lieb zueinander sein sollte? Dass man sich wehren darf, wenn man verfolgt wird? Dass man Menschen, die andere Menschen vergasen, den Krieg erklärt? Dass man wahnsinnige Menschen mit allen Mitteln entwaffnet? All das sollte man auch ohne Holocaust wissen! Der Holocaust ist keine Nachhilfe für moralisch Sitzengebliebene.

 

Man kann und sollte doch etwas lernen aus dem Holocaust: Wenn ein Wahnsinniger an der Macht sagt, er plant einen Genozid an den Juden oder an einem anderen Volk, dann sollte man ihm glauben.

P.S.: Was mir selbst etwas peinlich ist, da ich ungeprüft den (an sich guten) Artikel von Buurmann geteilt habe, ist, dass das Video vom letzten Jahr ist und ich es nicht gemerkt habe.

Tapfer im Nirgendwo

Am 27. Januar 2016 zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus sprach Anja Reschke diesen Kommentar für die ARD:

Der Beitrag von Anja Reschke ist an und für sich ein hervorragender Kommentar, über die, laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung, 58 % aller Deutschen, die einen Schlussstrich hinter Auschwitz ziehen wollen, wären da nur nicht die letzten siebzehn Sekunden gewesen.

Zunächst kritisiert Anja Reschke die Schlussstrichrethorik mancher Zeitgenossen:

„Ich habe gestern die Dokumentation über Kameraleute der alliierten Truppen gesehen, die gefilmt haben, als die Konzentrationslager befreit wurden, die kamen, als die Schornsteine der Krematorien noch rauchten, die über Berge von Leichen gestiegen sind, Bilder von Skeletten mit ein bisschen Haut darüber, offene Münder, verdrehte Gliedmassen. Heute sind diese Kameraleute von damals Männer von über 90 Jahren. Als sie erzählt haben, haben sie angefangen zu weinen. Keiner von ihnen kann ein Schlussstrich ziehen, genauso wenig wie die…

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