Langweilige Story aus Israel

Achtung, diese Story ist absolut langweilig:

Vergangenen Freitag Nachmittag waren wir mit den Kindern auf einem Spielplatz in Jerusalem. Es war noch etwas Zeit bis Sonnenuntergang.

Mein großer Kleiner rannte zu weit weg und wurde dankenswerterweise von einem anderen Vater eingesammelt und zurück gebracht. Der hatte einen Sohn, der fasziniert war von meinem kleinen Kleinen. Die beiden kleinen Jungs sind etwa ein Jahr alt und brabbelten sich gegenseitig lächelnd an. Wir Eltern unterhielten uns derweil über Elternthemen (wie alt ist er, kann er schon laufen, blablablubb). Danach wünschten wir uns noch einen schönen Tag.

Ende der Geschichte.

Warum erzähle ich diese belanglose Geschichte? Der Vater des anderen Jungen war Araber. Es interessiert keinen, dass Araber und Juden in Israel Mitmenschen sind und sich auch so verhalten. Ist halt zu langweilig und keine Meldung wert.

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9 Gedanken zu “Langweilige Story aus Israel

  1. …. „Keine Reden wert“?
    Oh – es IST jede Rede wert! Sie haben mit Ihrem kleinen Plausch Ihrer Heimat ein wenig von seiner Heiligkeit und Schönheit zurückgegeben, es um einen halben Millimeter dem von uns Juden und Muslimen angestrebten Paradies auf der kilometerlangen Leiter näher gebracht.
    So kann Israel sein – und so MUSS es sein.

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  2. „Es interessiert keinen, dass Araber und Juden in Israel Mitmenschen sind und sich auch so verhalten. Ist halt zu langweilig und keine Meldung wert.“

    Stimmt schon, denn es ist selbstverständlich. Selbstverständlich? Nichts ist selbstverständlich! Na gut, dann hast Du mich.

    Menschen distanziert „via Papier“ neigen offenbar dazu, bei einem Konflikt die zwei* Seiten verallgemeinernd auszulegen, im Falle Nahost also heißt es „Juden gegen Araber“, manchmal auch umgekehrt, und das menschliche, quasi alltägliche wird ausgeblendet. Für den Konflikt nicht relevant, so scheint es. Und so ist’s.
    (*oder mehr als „nur“ zwei? Schätze auch solche Frage stellt sich seltenst bei der „zwei Seiten einer Medaille Kommentierschaft/Nachrichtenschaffung“.)

    Nun braucht man nicht den Konflikt ausblenden um auch die Menschen zu sehen.
    Umgekehrt allerdings wird’s eben das. Der Mensch wird Objekt. Verfügungsmasse, Opfer, Täter, Wichsvorlage, usw.

    Und wieder umgekehrt: selten, daß man Menschen ohne Konflikte sieht, zumal man auch als netter Mensch die Konflikte anderer abbekommt. Quasi auf Alltag gebrochen gesprochen.

    Mir scheint, daß die schriftliche Ebene etliche Schreiber ablenkt von ihren eigenen Erfahrungswerten. So scheint für den Fall Israel gar eine Art intellektueller Wahnsinn seit Jahrzehnten um sich zu greifen, der die Menschen antreibt zu schreiben was sie schreiben ohne dabei im Geringsten mit der eigenen Erfahrungsrealität verbunden zu sein.

    Wie das geht ist mir eigentlich schleierhaft. Andererseits schreibe ich selbst jetzt etwas sprichwörtlich abgehoben, während zum Thema Israel/Judentum ich ja nur in einer mir fremden Absichtshaltung „abgehoben“ schreiben könnte. Das dürfte mindestens den allermeisten Juden so gehen. Unmöglich ist es dennoch nicht.

    Und so unsinnig ist der Gedanke nicht, wir können es leicht nachzeichnen.
    Das Wort „Fremdenhass“ ist an sich eine komplette Zeichnung dessen, was ich ua meine. Wie kann man jemand hassen, der fremd ist, den man also nicht kennt?

    Daß allerdings gewisse „Interessengruppen“ den Begriff „Fremdenhass“ ad absurdum führen, um die Ablehnung von abscheulicher Gewalt als „Fremdenhass-Gewalt“ zu stempeln, das ist ein Kunstgriff, der nur gelingt, wenn man Dinge abgehoben und losgelöst von eigener Erfahrung beschreibt. Vorausgesetzt, man verfügt über entsprechende Erfahrung, bzw vielmehr Einstellung/Haltung, und weiter gar: Professionalität, klar. Werde ich verstanden, ja?

    Hass, aber auch Zuneigung funktionieren offenbar ohne das Objekt der Begier/Bewunderung näher zu kennen.
    Das ist keine erstaunliche Erkenntnis. ZB ein Kind taucht in die Geschichte ein, die ein Roman zeichnet, ein Schauspieler erfährt Ehrungen auch sehr persönlicher und gar intimer Art durch wildfremde Menschen, usw. Und die gleiche Fähigkeit in quasi Phantasie zu abstrahieren und sich dort zu „verlieren“ ist eine potentiell auch sinnvolle sowie gute Fähigkeit. Vergleichbar vielleicht mit dem Effekt einer gelungenen Meditation. Und es ist durchaus etwas besonderes, denke ich, sehr individuelles und stets einmaliges. Gruppendynamik -zB im Sportverein- kann auch so funktionieren, und funktioniert für die Nutzießer wohl meist glücklicherweise auch. Gute Nachbarschaft kann solches auch sein. Alltag im idealen Sinne also.

    So wie Du zB die spielenden Kinder beschreibst: wir alle waren einst Kinder. Und wenn ich als Erwachsener spielende Kinder sehe, oder einfach Kinder wie Kinder, dann ist das abstrakt beschrieben Alltag, aber im Speziellen schlicht wunderbar und immer etwas sehr besonderes. Unabhängig davon, wer die Eltern des Kindes/der Kinder sind, die Kinder sind -wie soll ich sagen?- einfach wundervoll.
    Zumindest solange, wie sie verloren sind in ihrem Kindsein.
    Deshalb auch tut es uns so sehr weh, wenn Kinder unter den Grausamkeiten Erwachsener leiden. Deshalb auch werden Kinder benutzt, ua um Erwachsene zu manipulieren.
    In einem Riesenschritt befinden wir uns wieder im „Konflikt“, geschundene Kinder abgelichtet mit der Zuweisung: „…und der Täter ist…!“ Mißbrauch, so oft, wenn es darum geht, dem Konflikt eine Farbe anzumalen. Dem ausgesuchten Feind die eigenen Verbrechen zulasten zu legen. Kinder zu ermorden, sie dann abzulichten, nur um die Bilder einer medialen „Propagandamachine“ zu füttern. Beinahe bin ich geneigt zu behaupten, das geht weit über Krieg hinaus. De facto jedoch ist es ganz schlicht Krieg mit allen Mitteln.

    Nu, dann kommst Du, Eliyah, daher und beschreibst Alltag, wie ein Araber und ein Jude sich die Hände zum Status Quo einer vorübergehenden Freundschaft geben. Wärest Du Petze nicht, dann könnten wir alle weiter unbefangen glauben, daß der Konflikt…, usw.

    Das Übliche, der Alltag, der keiner sein sollte. Während der Alltag der einer ist, und den Du beschreibst, einer ist, der nach Sicht der „Grabenkämpfer“ nicht sein darf. Wie ich gewiß auch Deine Ironie (hier) verstehe, dieser Alltag ist jede Meldung wert, man sehe auf die Straße und sehe die Kinder wie sie in ihrer Kinderwelt versunken sind. Wem geht nicht das Herz auf?
    Man sehe deren Eltern, stolz und froh über die eigenen Kinder, die sich die Hände reichen.
    Das ist garnicht mal Alltag, aber schön.
    Eine Meldung wert.

    Alltag?
    Menschen sind Menschen, Kinder sind Kinder: Menschenkinder.
    Alltag.

    Daß es dennoch nicht Alltag ist, das sagt uns nicht alleine der Verstand, sondern auch die Erfahrung. Schnittmengen auf jeden Fall fangen wir nicht in einfachen Formulierungen oder gar Wörtern allein.

    Alltag ist nicht Alltag. Und Meldung nicht Meldung, wert nicht wert, sozusagen.
    Aber wir haben schließlich Ansprüche! 😉

    Deine Meldung: hochwertig.

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    1. „Deine Meldung: hochwertig.“ Schrieb ich an Eliyah.
      Nutze ich die Gelegenheit hier um zu behaupten: das gilt auch für etliche Beiträge von Deiner Seite, Chaya hajekara, gerade auch dann, wenn Du Einblick in „Alltag“ gewährst, und wenn Du -räusper- loslegst. 😉
      Euch beiden, und Jenny auch, ist -meiner Meinung nach- gut tikun oylam schon jetzt gelungen.
      Weiter so, mir eine Wohltat.

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        1. Hm, erst wollte ich kontern: mindestens!
          Doch wo ich weiß, daß Dir lange Kommentare lang zu lang sind, finde ich einen leicht abgeänderten Vorschlag: mir die erste, vier für Chaya, vier für Jenny, vier für Dich. Kommst Du klar damit?

          Ändert nichts an der Hausnummer.

          Außerdem.

          Gefällt 1 Person

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