EU-Israel: Ist diese Beziehung noch zu retten?

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Lars Faaborg-Andersen in seiner Residenz

In 85% der Angelegenheiten haben wir eine hervorragende Zusammenarbeit. So in etwa begann letzte Woche der Botschafter der EU in Israel Lars Faaborg-Andersen seine Rede bei einer intimen Veranstaltung in seiner Residenz mit etwa 50 sogenannten young professionals, von denen die meisten im politischen Bereich arbeiten.

Also beginne auch ich meinen Bericht mit Positivem: Die Residenz, die quasi direkt am Strand von Herzliya Pituach liegt, war wirklich beeindruckend. Eine wunderschöne Villa mit eigenem Pool im Garten und einer eleganten, europäischen Einrichtung.

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Lena und ich machen Selfies während des Vortrages.

Wir, also die EU und ihr, Israel hätten ja so viel gemeinsam, sagte der Botschafter, etwa die gleichen demokratischen Werte.

Nachdem der er die Beziehung zwischen Israel und der EU pflichtbewusst gelobt hatte, ging es ans Eingemachte:

  • Atomdeal mit dem Iran: Die EU wisse zwar, dass der Iran Terrororganisationen unterstützt, aber um Irans Atomprogramm einzudämen, war das ein guter Deal, sagt er. Eine genaue Begründung, was an der Unterstützung eines klerikalen Regimes gut sein soll, blieb er schuldig.
  • Die jüdischen Siedlungen im Westjordanland nannte er das grösste Hindernis für den Frieden. Er räumte zwar ein, dass es gut möglich sei, dass die großen Siedlungsblöcke an Israel gehen könnten, aber die im Westjordanland verstreuten Siedlungen wären ein großes Problem. Es ist, als würde man ein Stück von einer Pizza essen bevor klar ist, wer wie viel davon bekommt, sagt er. Dass Palästinenser und die PA offen aussprechen, dass sie die ganze Pizza nur für sich wollen, unterschlägt er.
  • Israel behandelt Beduinen und Palästinenser nicht menschenwürdig, so sein Vorwurf.

In der darauffolgenden Fragerunde, musste er starken Gegenwind aushalten. Vieles lächelte er einfach weg. Auf den Einwurf, dass Palästinenser zum Terror von Seiten der palästinensischen Regierung aufgestachelt werden, antwortete er, die EU würde das jedes Mal deutlich kritisieren. Ahja. Dabei gab er sogar zu, dass er immer wieder die Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde darauf hinweisen müsse, von ihren offiziellen Internet-Seiten Videos zu entfernen, die die Terrorattentäter preisen.

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Hier quäle ich den EU-Botschafter mit Fragen

Eine junge Frau befragte ihn zum Druck, den die EU ausübt, um Israel an den Verhandlungstisch zu zwingen, indem sie israelische Produkte aus dem Westjordanland boykottieren. Sie fragte, welche Druckmittel denn genutzt würden, um die Palästinenser an den Verhandlungstisch zu zwingen. In vielen Worten versuchte er zu vermeiden zu sagen, dass eben kein Druck ausgeübt wird.

Ich selbst hatte auch die Gelegenheit, etwas zu sagen.  Ich entgegnete auf seinen Vorwurf, Israel würde Beduinen und Palästinenser nicht menschenwürdig behandeln, dass Europa kein gutes Beispiel abgibt. Wie kann es sein, dass in Ländern wie Bulgarien Sinti und Roma in Gettos eingesperrt sind und kaum Rechte haben und in Ländern wie Lettland, Minderheiten, die seit Generationen dort leben, keinen Pass bekommen? Er antwortete, es gebe jetzt in der EU Kommissionen, die sich darum kümmern. Natürlich ist es problematisch auf einen Vorwurf mit „ihr aber auch“ zu antworten. Wenn der Vorwurf aber von einer Seite kommt, die sich mit übertriebenen und verfälschten Fakten als Moralapostel aufspielt, dann muss man sich einfach wehren und die Relationen wieder gerade rücken.

Auf meine Frage, warum in Deutschland bei sogenannten Anti-Israel-Demos Slogans wie „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“ als Israelkritik durchgehen, hat ihn in Verlegenheit gebracht. Er wusste nichts davon und sagte, er könne es sich nicht vorstellen, dass es so ist.

Auch wenn ich nichts wirklich Neues gelernt habe auf der Veranstaltung, so habe ich doch viele Menschen getroffen und hatte die Möglichkeit, mich und meine Organisation GIWA,  die German-Israeli Women Association, bei anderen Politaktivisten vorzustellen. Denn wenn der EU-Botschafter nicht willens oder in der Lage ist, die Beziehungen zwischen Israel und der EU zu verbessern, dann machen wir das eben selbst. 😉

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Mona und ich von GIWA

 

 

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2 Gedanken zu “EU-Israel: Ist diese Beziehung noch zu retten?

  1. Danke für diesen interessanten Einblick.

    Vergleichend zum Verständnisgraben zwischen „EU’lern“ (und so) und Israel hat Chaya umseitig interessante Hinweise zu bieten:
    http://www.tagesspiegel.de/politik/besuch-bei-bundestags-vizepraesidentin-wie-edelgard-bulmahn-israelische-studenten-irritierte/13541028.html
    http://m.tagesspiegel.de/politik/israel-auf-posten-gegen-das-mittelalter/13563978.html?utm_referrer=http%3A%2F%2Fm.facebook.com%2F

    Was durch deutschen Journalismus auch möglich ist zu beleuchten, wer hätte das gedacht? Kann man nur uns allen gönnen, daß „journalistische Sorgfalt“ wieder möglich wird.

    Noch zwei Anmerkungen zu Text von Dir.

    „Natürlich ist es problematisch auf einen Vorwurf mit „ihr aber auch“ zu antworten.“

    Stimmt. Aber Du reflektierst das, was bei anderen unreflektierte (oder gar böswillige) Methode ist.
    Das ist kein kleiner Unterschied.
    Und spricht sehr für Dich, zumal Du es gut begründest.
    Weil nichts selbstverständlich ist, auch wenn Dir Deines so sein sollte, wollte ich’s erwähnen.

    „…dann machen wir das eben selbst.“

    Das wird sich der Mashiach einst auch sagen, mein Verdacht. 😉

    Am Yisrael Chai, feiern wir heute den Geburtstag des Staates Israel,
    Massl tow! Alles Gute Dir, Eliyah, den Kindern, ale.hem!

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