Der Terror ging mir noch nie so nah

Unser Kleinster weckte uns alle gestern um 6:30 auf. Mein erster Gedanke war: G-tt sei Dank, hat er durchgeschlafen. Am Tag davor bekam er zwei Impfungen und war Abends etwas unruhig.

Mein Mann ging mit beiden Jungs ins Wohnzimmer. Ich holte mein Handy und öffnete Facebook, um zu schauen, was ich Nachts verpasst habe. (Ja, ich weiss, ich bin ein Facebook-Junkie)

Mehrere Freunde, die in Tel Aviv leben, schrieben: „I’m safe!“ Sofort dachte ich: „Oh nein, was ist passiert?“ Kurz darauf zeigte mein Feed die Nachrichten vom Terroranschlag in Tel Aviv, der sich am Mittwoch ereignete, als wir schon schliefen.

4 Menschen wurden im Restaurant bei ihren Abendessen geradezu hingerichtet. Viele andere wurden verletzt. Den ganzen Tag kreisten sich meine Gedanken darum. Auch Facebook war voll von Videos, Bildern und Nachrichten.

Wie die meisten meiner Freunde fühlte ich Trauer, Wut, Verzweiflung.

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Mein Großer und ich holten den Kleinen vom Kindergarten ab. Er ist in der Babygruppe und hat vier Kindergärtnerinnen: eine Russin, eine Israelische Palästinenserin und zwei jüdische Israelinnen.

Als wir in den Raum kamen und der Kleine uns entgegen krabbelte, nahm ich ihn auf den Arm und merkte, dass die russischsprachige Kindergärtnerin Marina zwei weiteren Müttern etwas aufgeregt auf Hebräisch erzählte. Ich verstand nur die Hälfte. Aber es war klar, dass sie etwas persönliches über den Anschlag erzählte: Ihre Tochter war während des Anschlags in dem Restaurant. Marina erzählte mir dann, dass ihre Tochter kurz vor dem Anschlag mit einer Freundin auf die Toilette gegangen ist und sich so zufällig gerettet hat. Ihre anderen Freundinnen aber wurden verletzt und liegen noch im Krankenhaus. Die Tochter hat zwei Kinder im selben Alter wie meine beiden.

Ich fing an zu heulen. Ich stellte mir vor, mein Kind ruft mich an und erzählt, wie es in dem Restaurant war während des Anschlags. Das ist eine echte Horrorvorstellung für Eltern. Ich küsste meine Jungs und wir fuhren nach Hause. Morgen bringe ich den Kleinen wieder in seinen Kindergarten: zur Palästinenserin, zur Russin und den anderen beiden Israelinnen.

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White Wine Festival

Am Abend war ich mit einer Freundin verabredet. Wir gingen zum Wein Festival in Herzliya, dass nördlich von Tel Aviv liegt. Die Frage, ob wir Angst haben, stellte sich nicht. In Israel lässt man sich nicht unterkriegen. Das Leben geht weiter.

Den Spaß wollten wir uns nicht entgehen lassen. Das Festival, das am Hafen von Herzliya statt fand, war sehr gut besucht, es war richtig voll. Wir probierten fast alle Weine, aßen Käse und tanzten zur Livemusik.

Beim Rausgehen bedankte ich mich angetrunken und etwas überschwänglich bei den am Eingang stehenden Polizisten für ihre Arbeit. Hallo!? Ich habe unzählige Weine getrunken, die waren einfach zu lecker!

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Nastassja und ich betrinken uns hemmungslos kosten viele gute Weine

Ich wünsche allen einen friedlichen Shabbat und Shavuot Fest und schönes Wochenende.

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Besucher des White Wine Festivals

 

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