Berlin: Warum nur so zaghaft informieren?

Ingo Zamperoni von den Tagesthemen in der ARD hatte gestern Abend wirklich keinen leichten Job. Er musste durch eine Livesendung führen mit Live-Schalten zu Leuten, die im Grunde genommen meistens keine neuen Informationen hatten. Und er selbst hatte auch kaum Neuigkeiten zu verbreiten. Trotzdem musste er reden und reden und reden.

Ingo hatte einen schweren Job gestern Abend

Nach dem Anschlag in Berlin auf dem Breitscheidplatz gestern Abend war relativ schnell klar:

  • Es gab viele Tote und Verletzte
  • Das Tatwerkzeug war ein Sattelschlepper
  • Der Fahrer war flüchtig und wurde gefasst

Eigentlich war dadurch deutlich, dass es sich nicht um einen Unfall handelte sondern um eine absichtlich herbeigeführte Tat. Technisches Versagen der Bremsen kann ohne Betrachtung des Fahrzeuges ausgeschlossen werden. Ich selbst habe eine LKW-Führerschein und der Hauptunterschied zwischen einem Auto und einem LKW ist das Bremssystem: Ist es kaputt, blockieren die Räder beim LKW während ein PKW nicht mehr bremsen kann.

Trotzdem betonte Ingo gebetsmühlenartig immer und immer wieder, dass man nichts genaues weiss. Und das stimmte einfach nicht. Die Polizei wollte nur nichts sagen.

Der Täter war nach einer gefühlten halben Stunde gefasst. Eine Täterbeschreibung hätte also vorliegen können, eventuell sogar die Identität und die Herkunft, die in diesem Fall durchaus für die Tat relevant ist. Wäre das nicht so, würde die ARD heute nicht berichten, dass es sich im einen Pakistaner handelt.

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Die Motivation des Täters ist bis heute unklar, auch wenn sich ISIS bereits bekannt haben soll für den Anschlag. Die würden sich aber auch für einen Ladendiebstahl in einem koscheren Supermarkt bekennen. Aber folgendes war auch sofort klar:

  • Es war ein Anschlag
  • Es war kein Amoklauf
  • Es war kein Unfall

Es ist mir unverständlich, warum die Polizei und die Medien so herumgeeiert haben, so um den heissen Brei geredet haben. Das führte zu Spekulationen, die schlimmer als die Wahrheit sind, die irgendwann sowieso rauskommt.

Hier in Israel gibt es nach einem Unglück meist nach spätestens 30 Minuten eine Einschätzung der Polizei, ob es sich um einen Terroranschlag gehandelt hat oder nicht und wenn ja, eine Beschreibung und den Wohnort des Täters. Das beruhigt die Menschen, da sie glauben, die Polizei macht ihre Arbeit und hat die Situation jetzt unter Kontrolle.

Und bis die Meldung kommt, hoffen alle, dass es „nur“ ein Unfall war. Und das ist der Unterschied zu Deutschland:

Nichts wird gesagt und alle hoffen, es war ein Anschlag. Denn dann können sie sagen: „Ich habe es doch gewusst, lange bevor die Lügenpresse es zugegeben hat“.

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18 Gedanken zu “Berlin: Warum nur so zaghaft informieren?

  1. Stimme zu. Ich tippe, dass die Unfallthese zur Beruhigung dienen sollte. Bei manchen mag das funktionieren, bei anderen nicht.

    Wenn man die Stimmen liest, dann merkt man wieder, dass es im Endeffekt egal ist was die Medien, Politiker, etc. machen. Wird viel gemeldet und schnell reagiert, dann beteiligen sie sich an Spekulationen. Warten sie ab, dann wird die Bevölkerung nicht informiert bzwDinge verheimlicht.

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  2. Es war ziemlich schnell klar, daß es sich um ein Fahrzeug-Attentat handelt, eigentlich unmittelbar nach der Tat. Aus dem Live-Ticker der ‚Berliner Zeitung'(?) las ich gestern noch von einer Berlinerin, die obligatorisch ausschloß, daß sich Sattelschlepper in die unmittelbare Nähe des Anschlagortes verirren. Sie begründete diese Ansicht mit genauer Ortskenntnis. Bis in die frühen Morgenstunden hinein handelte es sich bei dem festgenommen Anschlagsfahrer um einen „Afghanen“, inzwischen wird er identifiziert als jemand aus „Belutschistan“ (Landschaft, die sich geteilt wird von den Staaten Iran, Afghanistan und Pakistan). Dem gefaßten Mann, den man für den Attentäter hält, wird die mutmaßliche Ermordung des Mitfahrers zur Last gelegt (es dürfte sich um ein Entführungsopfer aus Polen handeln) sowie der Anschlag selbst, bei dem (aktuell) mindestens 12 Menschen ihr Leben verloren, und rund 50 verletzt wurden, teils schwer.
    Der gefaßte mutmaßliche Attentäter streitet die Taten ab.

    http://www.berliner-zeitung.de/berlin/liveticker-terror-verdaechtiger-naved-b–streitet-tat-ab-25342830
    (Link zum Live-Ticker der Berliner Zeitung)

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  3. Richtig gemacht!
    Mutmaßlicher Attentäter wurde durch den mutigen Einsatz eines Zeugen gefaßt.
    http://www.berliner-zeitung.de/berlin/flucht-nach-anschlag-mutiger-zeuge-fuehrte-polizei-zum-tatverdaechtigen-25343398

    Weitere Nachrichten zum gestrigen Abend.

    Gestern Abend wurde der russische Botschafter in Ankara auf der Bühne hinterrücks erschossen von einem Täter, der mumaßlich als Personenschützer angestellt war (mein Vermuten) und seiner Tat „islamisches Bekenntnis“ (siehe Videoaufzeichnung) folgen ließ.
    http://www.berliner-zeitung.de/politik/ankara-sechs-festnahmen-nach-attentat-auf-russischen-botschafter-25343242
    (Ein Video, das die Tat aufgezeichnet hat, findet sich hinter folgendem link)
    http://www.liveleak.com/view?i=4de_1482167380 .

    Der Attentäter wird als Polizist identifiziert:
    http://www.berliner-zeitung.de/politik/botschafter-erschossen-attentaeter-von-ankara-ist-22-jaehriger-polizist-25340258

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          1. Ja, diese Info wurde mir inzwischen auch von anderen zugesteckt.
            Und selbstverfreilich gut, daß Du es hier nochmal erwähnst. Wie gesagt: „dumm gelaufen.“

            Dem „Fahnder“ -by chance- will ich keine unlauteren Absichten unterstellen, im Gegenteil!
            Er hat sich getäuscht, aber immerhin gut(!) reagiert, während andere wohl schlicht perplex waren. (Angesichts der chaotischen Zustände unmittelbar nach dem Anschlag kaum verwunderlich, daß Dinge durcheinander geraten können, so konnte der tatsächliche Attentäter dann wohl auch unbehelligt den Ort verlassen, trotz der vielen Menschen).

            Wenn die Beschreibung so stimmt, wie sich der Verfolger des Verdächtigten verhielt, hat er den Verdächtigten in sicherem Abstand verfolgt, und während dessen die Polizei informiert. So konnte der Zugriff erfolgen, ohne daß der (sich zwar täuschende) Zeuge sich selbst in unmittelbare Gefahr brachte.

            Das muß man loben, finde ich, denn es ist ein vorbildliches und wohlüberlegtes und auch sehr mutiges(!) und gegenwärtiges Verhalten, um für den Fall auch „einfacher“ Gewaltkriminalität (zB., Frauen durch einen Tritt die Treppe hinabstürzen, wie das momentan in Deutschland öfters geschieht, Angriffe gegen die sexuelle oder körperliche Versehrtheit, usw.) der Täter habhaft zu werden.
            Wenn ich mich nicht täusche, dann ist solches Verhalten auch offiziell von der Polizei an Zeugen empfohlen, und aus „meiner SV-Perspektive“ heraus ebenso.

            Kein Zeuge sollte sich in unötige Gefahr bringen(!), um eigenmächtig eine Rettung zu versuchen, die er/sie vermutlich nicht leisten können.
            Im Gegenteil, indem man sich als Zeuge selbst in Gefahr bringt für solch eine Situation, gefährdet man nicht nur die eigene Gesundheit, sondern trägt vielleicht sogar (natürlich vollkommen unbeabsichtigt) zur Strafvereitelung bei!

            Wenn jemand Zeuge einer Straftat wird, dann bitte nicht unmittelbar einschreiten,
            Sicherheitsabstand bewahren und zu allererst(!) die Behörden
            (im Zweifel zunächst den Notarzt, die melden es selbst an die Polizei weiter)
            via Telefon informieren, weitere potentielle Zeugen informieren
            (direkt ansprechen, der Beschützerinstinkt ist bei Menschen relativ hoch gestreut, und einer direkten Anrede werden sich einige nicht verweigern) so sie verfügbar sind
            (auch im Sinne, wiederum die Behörden telefonisch, wie auch immer, zu informieren)
            und im schlimmsten Falle erst zur Rettung einschreiten(!),
            wenn man mindestens den Notarzt/die Polizei bereits am Telefon hat(!),
            und besser wäre es dann auch schon, wenn man weitere Zeugen mobilisieren konnte.

            Wenn man sich eine Rettung -bei akuter Gefahrensituation- nicht zutraut
            (warum auch immer, und es ist absolut normal, als im Kampf und taktischem Verhalten ungeübter Mensch sich solches besser nicht zuzutrauen, Bauchgefühl zu trauen im Zweifel ist auch richtig, und Angst haben auch Profis) dann muß man als Zeuge den Anblick eines akut stattfindenen Verbrechens wohl mehr oder minder ertragen, aber sollte dennoch richtig handeln:
            1. Sicherheitsabstand,
            2. Behörden informieren
            (ruhig bleiben/durchatmen!, im Zweifel immer erst den Notarzt -Telefon: 112- anrufen, Ort und Geschehen knapp und möglichst präzise beschreiben, alles weitere hat noch Zeit, und die werden dann schon die Polizei -Telefon: 110- hinzuziehen) und
            3. abwarten, bis die Rettung eintrifft, und das Geschehen im Auge behalten, Telefonleitung halten wenn möglich, um etwaige Veränderungen im Tathergang gleich weiterleiten zu können an die Rettung, etwa, daß die Täter sich vom „Anschlagsort“ entfernen…

            Sollte die Rettung zu spät kommen, dann wird es schwer, je nach Lage, zu entscheiden, ob man sich erst um das Opfer eines Angriffs kümmert (wenn dieses nicht zusätzlich Opfer einer Entführung wird), wenn das aber zur Lebensrettung nicht nötig ist, kurz mal die Lage so genau wie möglich mit dem Opfer klären, zur Not Erste Hilfe Maßnahmen einleiten, dann ist eine Verfolgung vom Täter oder den Tätern in gebührendem(!) Sicherheitsabstand (außerhalb auch von Hörweite) möglich, während man die Rettung am Telefon hat, so daß man sie an den Ort eines möglichen Zugriffs auf den oder die Täter lotsen kann.

            (Eliyah, Dein Blog ist vielleicht nicht der Ort um solche Empfehlungen an erster Stelle zu erwarten.
            Aber wenn es hier nur einem einzigen Interessierten dabei hilft, im schlimmsten Falle -immer: chalila!- richtig zu reagieren, dann ist es wohl nicht falsch gewesen.
            Die Gewalt auf den Straßen ist Realität, ob in Israel oder in Deutschland, oder sonstwo.)

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  4. Die Presse finde ich direkt nach so einem Vorfall immer schlimm: nix weiß man (anscheinend) und trotzdem wird geredet und geredet.
    Vermutlich halten sie Infos zurück, um voreilige Spekulationen zurückzuhalten (die es trotzdem gibt) oder sich erstmal wirklich sicher zu sein.

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