#WeRemember

Wir haben beide große Teile unserer Familien im Holocaust verloren. Am 27. Januar ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, an dem nicht nur wir, die wir täglich damit leben müssen, dass wir Nachkommen von Überlebenden dieses Hinmordens unserer Familien sind, sondern auf der ganzen Welt Menschen den Opfern dieses Menschheitsverbrechens gedenken. Danke!

In Zeiten von wachsendem Islamismus weltweit, Höck’schem Geschichtsrevisionismus in Deutschland, Erstarken der Rechten in Europa und Übersee und generell wachsender Judenfeindlichkeit und mörderischem Antizionismus, ist das Erinnern auch heute und besonders heute so wichtig.

Die letzten Zeitzeugen werden bald von uns gegangen sein und wir werden ihren Platz in der Erinnerungsarbeit übernehmen müssen. Wir, die wir entweder ohne Großeltern und mit vom Morden fürs Leben gezeichneten Eltern und Großeltern aufgewachsen sind, müssen die Erinnerung an unsere Kinder weitertragen. Denn bald müssen auch sie in die Welt schreien: #WeRemember

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10 Gedanken zu “#WeRemember

  1. Erinnern und als Nichtbetroffener die eigene Verwandschaft durchgehen und Großeltern, Großtanten, etc „löschen“ (bitte nicht falsch verstehen aber mir fällt kein passendes Wort ein), um auch nur ansatzweise nachzuvollziehen wie es ist, wenn die eigenen Verwandten ermordet wurden

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    1. Meine Eltern und ich haben vor 25 Jahren mitten in Polen ein Grab ausfindig gemacht. Mein Großvater Arthur (man muss Namen und Daten nennen!, Arthur Cohn s’l, geboren am 23. Juli 1878 in Rostock, ermordet [ertränkt] in Baden-Baden im Mai 1936) ist dort begraben. Es gab damals keinen Grabstein, aus Gründen.
      Als wir sein Grab ausfindig gemacht hatten, ließen wir an einer Wand in der Nähe eine schwarze Marmortafel anbringen – darauf steht ein anderer Nachname. Jener seiner Mutter. Wie ein Deckname. Der wirkt französisch. Namen mit irgend französischem Klang werden allermeist nicht beschmiert oder zerhämmert. Bei Namen wie Cohn ist das naturgemäß anders.

      P.S.
      Liebe Jenny, lieber Eliyah. Warum habt Ihr kein Foto Eurer Ermordeten abgebildet? Man selber, hach, man selber ist ja immer so da. (Jene aber nicht.) Man selber kann sich bei jeder Tages- oder Nachtzeit selfiisieren, mit Accessoires oder ohne. (Jene kann man aber nicht.)

      Wenn Ihr kein Foto von den Eurigen habt, oft gibt es ja überhaupt keine!, habt Ihr vielleicht einen Gegenstand oder eine andere Remineszenz.

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  2. In der Verantwortung liegt eine Antwort, möglicherweise.

    Es ist nicht leicht, als Nachkomme der Tätergeneration hier etwas beizutragen. Es ist jedoch m. E. unredlich, dies nicht zu tun. Mein Vater (*1917) war Soldat der Wehrmacht. Er hat sich am Krieg für Hitler-Deutschland aktiv beteiligt. Zu Kriegsbeginn war mein Vater 22 Jahre alt. Innerhalb der Familie fällt es mir rückblickend schwer, meinem Vater Vorwürfe zu machen. Mir war er ein guter Vater und wenn ich weiterhin bedenke, wie ich selbst mit 22 Jahren ‚getickt‘ habe, bin ich mir ziemlich gewiß, daß ich unter den selben Bedingungen nichts besser gemacht hätte als er.

    Aufrichtig und ehrlich betrachtet muß ich jedoch anerkennen, daß in der Bandbreite von aktivem, glühend-fanatischem Einverständnis über kriegsgewinnlerisches Mitläufertum bis zum billigenden Stillschweigen und Wegschauen respektive Leugnen des Offensichtlichen eine Ganze Generation sich bereitgefunden hat zu faschistischem Massenmord und Krieg.

    Das ist unser Erbe, ob wir wollen oder nicht; und dieses Erbe kann man nicht ausschlagen wie einen überschuldeten Nachlaß. Es ist dunkler Teil der Deutschen Tradition. Wir sind mehrheitlich Kinder und Enkel von Massenmördern und/oder deren willfährigen Komplizen. Wir können dieser Tatsache nicht entkommen. Es ist so!

    Wie nun damit umgehen, wie dieses Monströse anerkennen und berücksichtigen und dennoch ein gutes Leben führen? Wie den Opfern und ihren Nachkommen gerecht werden und dennoch Frieden finden?

    Vorschlag:
    Nicht Vergessen wollen, d. h. dem Wunsch nach Verdrängung widerstehen. Sich keinen Abschluß, keine Zeit jenseits des Lebens mit der ererbten Schuld und Verantwortung wünschen. Keine Vergebung erwarten oder gar einfordern. Und den Auftrag sehen, der sich aus der Schuld und Verantwortung ergibt.

    Ein Revidieren der Vergangenheit ist nicht möglich. Wir können, wenn wir wollen, etwas lernen für die Zukunft.

    Das jeder immer verantwortlich ist und bleibt für seine Entscheidungen oder Nicht-Entscheidungen. Daß das Unrecht im Denken und Fühlen beginnt, lange vor der Tat. Und das es unsere Pflicht ist, die Dinge vom Ende her zu denken und abzuschätzen. Und daß wir uns niemandem anvertrauen sollten, der unsere Ängste und Frustrationen schürt und uns einfache Lösungen anbietet für komplexe Probleme. Und das eine bessere Welt nicht zu Lasten Dritter erreicht werden kann. Das letztendlich immer wir entscheiden, in welcher Welt wir leben und wir uns täglich bemühen sollten, über den Tellerrand hinaus zu sehen.

    Hätten unsere Vorfahren ihre Verantwortung wahrgenommen und sich nicht entschieden, den einfachen Wahrheiten des Nationalsozialismus zu folgen, aus politischer und/oder wirtschaftlicher Verunsicherung und/oder aus verletztem Patriotismus, wären sie nicht einer Ideologie gefolgt, die Menschen rassistisch klassifiziert, hätten sie sich ein Gewissen bewahrt und ein Mindestmaß an Menschlichkeit und wären bereit gewesen, auch den Preis zu zahlen, den das kostet, sie hätten möglicherweise keine oder geringere Schuld auf sich geladen.

    Wenn wir uns heute bemühen, uns einzufühlen in unsere Vorfahren, in diese Täter und Mittäter, die sie mehrheitlich waren, so schwer uns das auch fallen mag, dann kann uns das helfen, den heutigen Versuchungen zu widerstehen, die uns Vorteile und Wohlergehen zu Lasten Dritter versprechen, wenn wir uns nur (zu was auch immer) hinreißen lassen.

    Es kann dann sogar dazu kommen, daß wir Freude daran finden, integer zu handeln und mehr von uns abzusehen und lernen, uns dem Hass zu verweigern und den fatalistischen einfachen Lösungskonzepten heutiger Demagogen.

    Und wir können lernen, den Holocaust nicht leugnen oder ignorieren zu müssen, wir können lernen, mit der ererbten Schuld zu leben und zumindest punktuell diesem Erbe gerecht zu werden.

    Fangen wir heute an mit der Anerkenntis unseres Erbes. Wir sind verantwortlich dafür, das Geschehene irgendwie zum Guten zu führen. Dazu sollten wir auf die Opfer abstellen und Ihnen jedes Recht zugestehen, uns harte Fragen zu stellen und Vorwürfe und Vorhalte zu machen. Ein Recht auf Vergebung gibt es nicht!

    Und wenn es um Lernen aus dem Faschismus geht, dann schauen wir ganz genau bei uns selbst nach! Grenzen wir aus, verurteilen wir andere Menschen, geben wir anderen die Schuld für unsere Schwierigkeiten und für unsere Ängste und Befürchtungen, vertreten wir einfache Lösungen für komplexe Zusammenhänge, übergeben wir unsere Eigenverantwortung an vermeintliche Heilsbringer?

    Ehren wir das Andenken der Opfer, indem wir uns um Ehrlichkeit mühen?

    Shalom alechem

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    1. Danke, Bernhard.

      Bei diesem Thema fällt mit nur das Eine ein: Erwägungen und Mahnungen sind gut. Israel konkret zu unterstützen ist besser.
      – Das ist zwar eine ganz einfache Feststellung, aber dafür ist sie immerhin wahr und fördert das Leben 🙂

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      1. Das ist aus heutiger Sicht eine unselige Tradition, die zu hinterfragen ist. Abseits der – für manche fragwürdigen – Gründungsidee im historischen Stammland des jüdischen Volkes ist der Staat Israel schlichtweg ein Faktum der Nachkriegsordnung und heute leben dort Menschen, deren Heimat dieses Land durch Geburt ist. Es kann und darf für diese Menschen keinen Revisionismus zurück zu einem (Achtung! unsäglicher Begriff folgt) judenfreien Palästina geben.

        Ohnehin macht es sich der Westen oft zu leicht und verkennt die Seit Jahrzehnten bestehende Bedrohungssituation des Staates Israel. Insofern ist Deine Mahnung berechtigt.

        Ich will nicht verhehlen, daß ich Sympathien für einen sog. Palästinenser-Staat habe; andererseits sehe ich nicht, daß Hamas oder Fatah derzeit verlässliche Partner für eine friedliche Koexistenz sind. Die wahren Kriegstreiber verorte ich jedoch auch nicht dort. Hamas oder Fatah sind m. E. Erfüllungsgehilfen großarabischer Ideen, die ganz woanders geschmiedet und propagiert werden.

        Konkret; wie sieht nach Deiner sicher kundigeren Meinung ein Weg zu friedlicher Koexistenz zwischen Israel und seinen Nachbarn in Palästina aus und wie kann jenseits der Abschreckung und Bedrohung zu mehr Frieden gelangt werden? Und welche Unterstützung wünscht man sich seitens Deutschland und Europa.

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        1. … Stichwort Unterstützung aus westlichen Ländern: Soeben erfahre ich, dass Präsident Trump grad noch Obamas allervorletzte Ohrfeige an die Adresse Israels gestoppt hat. Es ging da um die klammheimliche Zahlung von 221 Millionen Dollar an die Fatach. Der Kongress hatte dieser Zahlung zuvor nicht zugestimmt, also hat Obama abgewartet, bei Nacht und Nebel, um diese Unsumme in letzter Minute loszuschicken.
          Was tut die Fatach mit soviel Geld: Etwa die Hälfte wäre für Morde an Juden verwendet worden, die andere Hälfte war für die Taschen von Fatach-Funktionären bestimmt.

          Es gibt ähnliche Zahlen, Unsummen!, die von der EU „an die Palästinenser“ überwiesen werden. Warum: Damit dort unendlich korrupte, verdorbene Leute im Amt bleiben, die ihre eigenen Leute massakrieren.

          So weit zum negativsten Beispiel-ever für westliche Unterstützung der Sicherheit von Juden in Israel.
          Wenn solche Zahlungen nicht stattfänden!, es wäre Unterstützung genug.
          Jedoch die Dinge laufen genau anders herum.

          Stichwort Frieden in Nahost: Tja. Seit den 1920ern wird dort ein unaufhörlicher Krieg gegen die Juden geführt. In den Dreißigern schlug sich der Anführer der arabischen Palästinenser, Mufti Amin Al-Husseini, erst auf die Seite Mussolinis und dann auf die Seite Hitlers, um im arabischen Aufstand von 1936 so viele Juden umzubringen wie nur möglich. Sein Ziehsohn Arafat blieb voll und ganz auf der Linie des Muftis, die ganze PLO, bis heute die ganze Fatach. Durch die Perfidie der internationalen Diplomatie lassen sich israelische Regierungschefs immer wieder zwingen, sich mit den Repräsentanten des islamischen Terrorismus an den Verhandlungstisch zu setzen. Worüber soll da verhandelt werden? Darüber, ob nun alle Juden oder nur die Hälfte ins Meer getrieben werden?

          Professor Dan Schüftan, langjähriger Berater israelischer und amerikanischer Regierungen, pflegt über das Thema Friedensverhandlungen mit den Arabern heiter Folgendes zu sagen:
          „Erstens. Der Nahostkonflikt ist nicht zu lösen. Ooooh. Zweitens, das ist kein Problem!“

          Schon Jahrzehnte vor der staatlichen Neugründung Israels 1948 hat die arabische Seite sich kategorisch geweigert, dass Juden für sich selbst bestimmen dürften, nicht unter arabischen Diktaturen leben zu wollen. Seit der Neugründung Israels 1948 versucht die arabische Seite alles, um eine ‚Normalisierung‘ zu verhindern. Der neueste Versuch ist BDS: Boycott, Divestment, Sanctions. Dass damit in erster Linie arabische Arbeiter getroffen werden, die in israelischen Betrieben arbeiten (und gut bezahlt werden!), interessiert die BDSler nicht die Bohne. Es geht ihnen nicht um das Wohlergehen von Arabern, sondern um die Vernichtung Israels.
          Sogar Norman Finkelstein, der lange Zeit die Feinde unterstützt hatte, musste plötzlich feststellen, dass es denen ja nicht um Frieden und nicht einmal um Abbau der Siedlungen geht. Als er festgestellt hatte, dass BDS schon immer um die Abschaffung Israels wollte, bekam er Morddrohungen, und die Linken fielen über ihn als Verräter her.

          Warum ist das überhaupt so? Faktisch, seit den Vorverhandlungen über den Abzug der Briten aus dem riesigen Gebiet von British-Palestine, ist Jordanien das Gebiet für die arabischen Einwohner zwischen Jordan und Mittelmeer vorgesehen. Wie hat man jedoch gehandelt: Die Jordanier als Besatzer haben von 1948 bis 1967 alles judenrein gemacht, haben alle Jerusalemer Synagogen zerstört, haben alle jüdischen Grabsteine, die sie kriegen konnten, zum Straßenbau und für Latrinen (!) verwendet.
          Gibt es jedoch ein Ding Namens „Jordanienkritik“? Aber jeder ist irgendwie „Israelkritiker“ und will glauben, er meine es gut.

          1981 konnten die Iraelis ganz pragmatisch einen Friedensvertrag mit Jordanien (und Ägypten) aushandeln; immerhin. Wie geht sowas: Mit Geld!, und mit Handelsverbindungen. Nur so. Aus völlig pragmatischen Gründen: Jeder Araber möchte ja essen. Jeder möchte ja seine Kinder in die Schule schicken. Araber, in Clans und in Hackordnungen eingebunden, folgen aber leider meist nicht den Vernünftigen, sondern vor Allem jenen, die ihnen am meisten Angst machen.

          Der aufgewärmte Judenhass in westlichen Ländern, heute wohltönend und scheinargumentierend „Israelkritik“ genannt, und die damit verbundenen Geldströme an totalitäre arabische Clan-Chefs verhindern jedoch jede Normalisierung, die Israel seit seinem Bestehen versucht.

          Danke für Ihre Fragen, Bernhard, und a gutte Nacht für Sie! 🙂

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