Ich bin kein Kostüm, meistens.

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Dieses Jahr wollen ein paar Gutmeinende gutgemeinte Ratschläge an Karnevalisten verteilen, die sich politisch unkorrekt verkleiden. Die Pressemitteilung dazu ist hier zu lesen: http://www.oegg.de/index.php?de_ab-2008

Wir feiern in Israel zwar keinen Karneval, aber relativ bald haben wir mit Purim auch ein Verkleidungsfest im Kalender stehen. Wer weiss, vielleicht verkleiden meine Frau und ich uns als orangene Juden, dann sind wir zusammen „Orange Jews“. Gepresst aus Jaffa-Orangen, versteht sich.

Die Verkleidung dient dem Entfliehen aus dem Alltag, der Bewältigung von Ängsten vor dem Ungewissen oder der Annäherung an das faszinierende Fremde. Im Bild oben hat sich ein Mann als Muslimischer Attentäter verkleidet. Das ist nicht per se böse oder rassistisch, sondern ein Umgang mit der nachvollziehbaren Angst auf Grund von aktuellen Ereignissen. Da die Kostümierung auf einen Tag im Jahr reduziert ist, an dem sich viele Menschen verkleiden, ist es auch in einem unmissverständlichen Rahmen. Anders wäre es, wenn jemand jeden Tag so rumlaufen würden. Es ist vergleichbar mit einer Karikatur, die auch niemand als Wahrheit missversteht. Sie überzeichnet sie ins Groteske.

Wenn sich jemand als Geisha, Indianerhäuptling oder orthodoxer Jude verkleidet, dann ist das eine humorvolle Auseinandersetzung mit den Stereotypen und damit auch eine Art Hommage. Ich persönlich habe überhaupt kein Problem damit, wenn sich jemand als Jude verkleidet. Nicht mal, wenn er sich eine Hakennase anklebt.

Letzteres ist allerdings schwierig. Denn wenn man negative Vorurteile im Kostüm verarbeitet und sie unreflektiert bleiben, dann wird es problematisch. Und ja, auch der Bombenmuslim im Bild fällt in diese Kategorie. Aber das Kostüm sagt in so einem Fall mehr über den Träger als über die dargestellte Figur aus.

Ich wette, die Initiatoren haben überhaupt kein Problem damit, wenn sich jemand als Trump verkleidet. Ich übrigens auch nicht. Aber ich habe in dem Fall auch keine doppelten Standards.

 

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Ein Gedanke zu “Ich bin kein Kostüm, meistens.

  1. Darf man auch als ‚Kartoffel‘ gehen oder ist das aus deutscher Sicht vielleicht Nestbeschmutzung?
    Man darf! Allerdings als Püree – zumindest unverpackt – wird’s etwas klebrig.
    Und als ‚Schweinerollbraten‘?
    Geht auch, nur bitte nicht ständig bergab rollen!

    Also:

    Yippihayeah Schweinebacke! 🐽

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